Am Freitag, den 27.11.09, um 20 Uhr, findet auf der Sternwarte Neumarkt im Vortragssaal folgende Veranstaltung statt:

Ein Monster im Visier - Astronomen vermessen das Schwarze Loch im Zentrum unserer eigenen Milchstraße

Vortrag von Dr. Stefan Gillessen, Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik - Infrared/Submillimeter Astronomie

Im Herzen der Milchstraße lauert ein supermassives Schwarzes Loch.<7p>

In einer 16 Jahre langen Beobachtungskampagne haben Astronomen nun das bisher detailreichste Bild dieser turbulenten Region gezeichnet. Die Forscher konnten die Umlaufbahnen von 28 Sternen verfolgen - fünf Mal mehr als in vorhergehenden Untersuchungen. Seit Beginn der Messungen im Jahr 1992 hat einer der Sterne jetzt sogar das Schwarze Loch einmal vollständig umrundet.

Der interstellare Staub, der die Galaxis füllt, behindert im sichtbaren Licht die direkte Sicht auf das Zentrum. Daher benutzten die Astronomen für ihre Untersuchung dieser Himmelsregion Wellenlängen im Infraroten, die den Staub durchdringen. Das bedeutete eine große technische Herausforderung, doch der Aufwand lohnte sich: "Das galaktische Zentrum beherbergt das nächstliegende uns bekannte superschwere Schwarze Loch, auch Sagittarius A* genannt. Daher ist das der beste Ort überhaupt, wenn man diese Klasse von Objekten untersuchen möchte", meint Dr. Stefan Gillessen, Erstautor der Studie und Vortragender am Freitag exklusiv auf der Sternwarte Neumarkt.

Stefan Gillessen Bereits vor einem Monat berichtete Prof. Dr. Jörn Wilms über die Eigenheiten und Entstehung der Schwarzen Löcher im Universum im Allgemeinen. Am kommenden Freitag geht man schließlich auf der Sternwarte Neumarkt dem Schwarzen Loch in unserer eigenen Milchstraße im Speziellen auf den Grund. Der Leiter der Sternwarte, Herr Harald Liederer, konnte dafür den Berufsastronomen Dr. Stefan Gillessen von der Max-Planck-Forschung in Garching für diesen Vortrag gewinnen. Er ist quasi einer der Wissenschaftler der dieses Projekt ins Leben gerufen hat.

Insgesamt rund 50 Nächte Beobachtungszeit innerhalb der 16 Jahre mussten investiert werden, bis die Wissenschaftler zu ihren spektakulären Ergebnissen kamen. Die langfristige Vision des deutschen Forscherteams um Dr. Gillessen und Dr. Genzel wurde im Juni letzten Jahres mit dem hoch angesehenen Shaw-Preis ausgezeichnet.

Durch die neue Studie können die Astronomen nun die Positionen der Sterne mit sechsmal höherer Genauigkeit als zuvor vermessen. Die letztlich erreichte Präzision von 300 Mikrobogensekunden ist vergleichbar mit dem Sehen einer Ein-Euro-Münze aus einer Entfernung von rund 10.000 Kilometern.

Schwarzes Loch

Aus der Bewegung der Sterne kann auf die Gravitationskräfte geschlossen werden, die durch das Schwarze Loch auf sie wirken - so wie auch an herumwirbelnden Blättern in einer winterlichen Böe die Bewegung der Luft beobachtet werden kann, so die Wissenschaftler. "Für Untersuchungen in der unmittelbaren Umgebung des Schwarzen Lochs benötigen wir aber eine noch höhere Winkelauflösung als zurzeit möglich", sagen die Wissenschaftler. Die Europäische Südsternwarte (ESO) soll jedoch bald in der Lage sein, diese benötigte Auflösung zu erreichen. "Der nächste große Schritt wird sein, das Licht von den vier 8,2-Meter-Teleskopen des VLT zu kombinieren." Das werde die Genauigkeit der Beobachtungen im Vergleich zum heute Möglichen um einen Faktor zwischen 10 und 100 steigern. Diese Kombination besitzt das Potenzial, Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie in der gegenwärtig noch unerforschten Region nahe an einem Schwarzen Loch zu überprüfen."

Wie müssen wir uns nun also ein Schwarzes Loch vorstellen?
Dr. Stefan Gillessen dazu am kommenden Freitag in der Sternwarte: "Wir müssen uns ein Schwarzes Loch im All nicht vorstellen wie ein Loch. Bei einem Loch in der Hosentasche zum Beispiel fällt alles hindurch. Bei einem Schwarzen Loch im All ist das nicht so. Sterne, Planeten, alles was hineinstürzt, wird ein Teil des Himmelskörpers in der Mitte des Schwarzen Lochs". Forscher können die Schwarzen Löcher nur ganz schlecht beobachten. "Eigentlich machen sie sich nur bemerkbar, wenn sie gerade etwas "fressen" - also zum Beispiel andere Himmelskörper."

Doch könnte auch unsere Erde eines Tages mal gefressen werden?
Dr. Stefan Gillessen sagt: "Die Erde ist von allen Schwarzen Löchern zu weit entfernt, um ihrem Hunger zum Opfer zu fallen."

Wir dürfen auf die Ausführungen des Profiastronomen am kommenden Freitag in Neumarkt gespannt sein. Erleben Sie also mit, wie Astronomen am Very Large Telescope in Chile das Schwarze Loch dingfest machen und die spannenden Prozesse in seiner Umgebung untersuchen.

Nach dem Vortrag besteht die Möglichkeit, mit den Fernrohren der Sternwarte, bei klarem Himmel zu beobachten.